Herzenssache

Jetzt bin ich schon seit fast zwei Monaten Zuhause im Homeoffice. Und ich bin dankbar, dass ich in dieser Krise – im Gegensatz zu anderen – nicht weiter bedroht bin. Mein Job ist nicht in Gefahr, ich kann von Zuhause aus arbeiten, ich gehöre nicht zur Risikogruppe, ich hab ein schönes Zuhause, immer was zu Essen und sogar genug Toilettenpapier.

Und doch merke ich, dass mir diese Zeit nicht unbedingt leicht fällt. Nach der anfänglichen Euphorie „Jetzt komme ich endlich mal zu all dem, wofür ich immer keine Zeit hatte“, wechselte die Stimmung. Gedanken und Gefühle, die ich mir teilweise selbst nicht erklären konnte, wo sie her kommen. Alles Mögliche zwischen Langeweile, Frust, Mutlosigkeit, dem Wunsch nach Aktivität, Vermissen der Freunde und Familie, Einsamkeit und innerem Druck produktiv zu sein. Und schlechtem Gewissen, wenn ein Tag nicht so produktiv war.

Es gab gute und weniger gute Tage. Das nervte mich. Warum fallen mir keine „sinnvollen“ Sachen ein, die ich in dieser Krise tun kann? Jetzt hocke ich allein Zuhause und ob ich da bin oder nicht, ist eigentlich irrelevant für meine Umgebung. Oder?

Über diesen diffusen unzufriedenen Zustand tauschte ich mich mit einer Freundin aus. Und wir stellen fest: es geht uns ähnlich. Wir versuchten, der Sache auf den Grund zu gehen, aber kamen erstmal nur zu dem Punkt: all die inneren Dinge, die sonst im Alltag durch Geschäftigkeit nicht „hoch kommen“, sind jetzt auf einmal da. Und zwar sehr präsent. Da gibt es keine Hetzerei mehr, die verhindert, dass die Gedanken wandern. Oder Dinge, die man zur Ablenkung tun kann, wenn schlechte Laune aufkommen will. Jetzt wird man knallhart mit diesen Gedanken und Gefühlen konfrontiert und muss sich ihnen stellen.

Wir beschlossen, uns weiter über dieses Thema auszutauschen und zu beten. Bei den nächsten Treffen waren die Gedanken zwar immer noch da, aber ich merkte, dass sich der Umgang damit langsam veränderte. Wir spürten: in so einer Zeit kann man sich nur noch auf Gott verlassen. Wir sind zwar finanziell etc. sicher, aber was das Innere betrifft, kann uns nichts auf der Welt helfen, außer unserem Vater im Himmel, der uns besser kennt, als wir selbst.

Als wir einmal nach einem Treffen zusammen beteten, hatte ich auf einmal den Satz im Kopf:

Diese Zeit ist mir eine Herzenssache.

Äh, wie bitte? Die Corona-Krise ist Gott eine Herzenssache???

Doch dann fiel mir die wunderschöne Doppel-Bedeutung dieses Satzes auf. Und es machte sich bei mir ein Lächeln breit. Es ist eine Zeit, in der Gott es um das Wichtigste geht, das ich habe: mein Herz!

Momentan sind die Tage relativ gleichförmig und ohne große Events oder Vorkommnisse. Es gibt keine „Ablenkung“ mehr. Keine Geschäftigkeit. Keine täglichen Verabredungen und Treffen. Was übrig bleibt, bin ich. Mit meinen Gedanken und Gefühlen. Und die entspringen meinem Herzen.

Als ich diesen Eindruck mit meiner Freundin teilte, beteten wir dafür. Und aus dem Haufen negativer Gefühle wuchs eine neue Sehnsucht:

Wir wollten, dass diese Zeit eine Zeit wird, in der unser Herz näher zu Gott wächst. Dass diese Zeit auch unsere „Herzenssache“ wird! So wie es in Psalm 51,12 steht:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Und auf einmal nahm ich die ganze Krise weder als nervig, noch schlimm war. Ich dachte mir eher: „Wer weiß, wann ich je wieder so viel Zeit und Ruhe haben werde, mit dem Herzen zu Gott hin zu wachsen? Ich will diese Zeit nutzen!“

Ich will lernen, mich ganz auf IHN zu verlassen. Ich will lernen, negative Gefühle nicht wegzuwischen, sondern sie anzuschauen und vor meinen himmlischen Vater zu bringen, damit er mir zeigt, wie ich am besten damit umgehen kann. Ich will Ruhe genießen lernen. Ich will lernen, dass Leistung und Produktivität mich keinen Schritt näher an Sein Vaterherz bringen, sondern dass ich kommen darf und soll, wie ich bin. Dass ICH Seine Herzenssache bin. Und dass er aus einer Krise etwas Wunderschönes machen kann.

Ob ich jetzt jeden Tag fröhlich bin? Nein, leider nicht. Aber ich lerne. Und das geht ja bekanntlich nicht von heute auf morgen. Das dauert. Da lerne ich Geduld noch gleich mit dazu 😉

Vielleicht gibt es neben mir und meiner Freundin ja noch mehr Menschen, denen es ähnlich geht. Oder du hast in der Krise tatsächlich „äußerliches“ Leid erlebt. Einen nahen Menschen verloren. Oder den Job. Aber niemand bemerkt deine Trauer, weil du alleine Zuhause bist.

Ich möchte dich ermutigen: Mache diese Zeit zu deiner Herzenssache! Trau dich ganz neu vor deinen Vater im Himmel zu kommen. Mit all den Dingen, die gerade in deinem Herzen sind. Du darfst alles Leid, alle Tränen, alle negativen Gedanken, alle inneren Vorwürfe oder Leistungsdruck zu ihm bringen.

Er sieht dich, wo du gerade bist und fühlt mit dir. Ihn überrascht keines deiner Gefühle oder Gedanken. Sondern er freut sich, wenn du dein Herz vor ihm bringst. Ganz ehrlich. Ohne zu beschönigen oder runter zu spielen.

Und dann seh‘ zu und staune, was er daraus machen kann!

Eine letzte Sache noch: Momentan werde ich viel durch Musik ermutigt. Und gerade als ich diese Zeilen schreibe, spielt das Lied „Nah an dein Herz“ von Könige&Priester. Und ich dachte mir: Ja, das passt! Also gebe ich dieses Lied mal an euch weiter.

Alles Liebe und seid gesegnet,
Janice

Hier ist auch nochmal zum Nachlesen der Text:

Nah an dein Herz

1. Ich hab die Liebe gefunden
und sie in dir entdeckt
Kann nicht aufhör’n mich zu wundern
Hast mich mit Leben angesteckt

Stehe vor dir und bin sprachlos
Du verstehst mich, wenn ich schweig
Du bringst Ordnung in mein Chaos
Ich will immer bei dir sein

(CHORUS)
Ich will nah an dein Herz Jesus
Ich will nah an dein Herz Jesus
Ich will nah an dein Herz Jesus
Ich will nah an dein Herz

2. Deine Freiheit ist unendlich
Und so unfassbar weit
Und völlig unbegrenzt ist
Deine Liebenswürdigkeit

Ich trage deinen Ring am Finger
Der mich niemals von dir trennt
Und ich tanz mit dir für immer
Weil du alle Grenzen sprengst.

(BRIDGE)
Weder Hohes noch Tiefes,
Weder Tod noch Leben,
Kann mich reißen aus deiner Hand

Text & Musik: Götz von Sydow, Florence Joy, Jonathan Enns, Thomas Enns, Marco Michalzik

(Hinweis: das Bild wurde designed von jcomp / Freepik)

2 Gedanken zu „Herzenssache“

  1. Habe gerade eine tolle Bestätigung gelesen in einem Artikel von Mike Bickle, IHOP, KC
    „The Lord has brought a lot of things to a pause during this time of crisis.
    Through this pause, He’s saying: I want you to examine your heart. I want you to look inside – Why do you serve me?
    The Lord wants us to search our hearts during this time. This is such an opportunity for us as the body of Christ.“

    Dazu kann ich nur sagen: „Amen!“ Das kann ich voll bestätigen! Genau das erlebe ich, dass Gott meine Herzensmotivationen durchleuchtet bzw. mir hilft einige Dinge in seinem Licht zu sehen… z.B. aus welcher Motivation tue ich Dinge / Dienste in der Gemeinde? Diene ich wirklich von (reinem) Herzen IHM, oder brauche ich einen Dienst in der Gemeinde, um ein Wertgefühl zu haben? Wie wichtig ist mir die Anerkennung und Bestätigung von Menschen?
    Ich kann nur sagen, ich fühle mich in dieser Zeit viel freier und glücklicher, einfach das zu tun, was Gott mir auf’s Herz legt, in Bezug auf Menschen, ohne dass ich von Menschen gesehen werde. Aber ich spüre umso mehr Gottes Freude darüber und Er gibt mir die Anerkennung und Bestätigung, die ich in meinem inneren brauche (so wie wir alle…)
    In diesem Sinne ist mir diese Zeit sehr kostbar geworden. Und ich hoffe, ich kann mir diese Haltung bewahren, wenn jetzt die Gottesdienste wieder losgehen. Ich möchte nicht zurück in „Business as usual!“

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